1946 bis 2001



Unter dieser Rubrik finden Sie Inhalte aus unserer Festschrift / Chronik anlässlich unseres 100-jährigen Jubiläums zzgl. eventuell weiteres Text- und Fotomaterial.

Erweiterung der Vereinsgeschichte

Heinrich Giesens Erinnerungen in der 75-Jahre-Festschrift

Auf dem 1946 von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Gelände befand sich eine Panzersperre. In Höhe des heutigen Kinderspielplatzes war ein Graben von 75 m Länge, 5 m Breite und 2,50 m Tiefe. Die Erde lag rechts und links daneben. 927 Kubikmeter Erde mussten mit Schaufel und Schubkarre bewegt werden. Es gab weder Bagger noch Raupe oder Traktor mit Schaufel.
Zu den Leuten der ersten Stunde gehörten neben dem gewählten Vorstand Johannes Hüning, Josef Dicks, Eitel Theißen, Heinrich Giesen sen., Bernhard Schumacher, die Spieler und die, die ich vergessen habe. Willi Nakath liebte mehr den Ball und nicht so sehr die Schaufel. Die Leute müssen sehr fleißig gewesen sein, denn im Mai hat auf dem Platz das Rückspiel gegen die Engländer stattgefunden. In der 2. Halbzeit waren die Engländer mit Schiedsrichter Neuhausen nicht mehr einverstanden und fuhren einfach nach Hause.
Auf dem Kasernenplatz an der Friedensstraße in Wesel wurde gegen Blau Weiß Wesel ein Freundschaftsspiel ausgetragen. Diesen Verein hat man um 1950/51 in „Handballverein DJK" Wesel  umgetauft. Die 1. Mannschaft hat in der Saison 1947/48 zum ersten Mal an den Meisterschaftsspielen teilgenommen. Der schon von Bruno Gerwers erwähnte RWE-Mast auf dem Platz, wurde etwa 1951 entfernt.
Für das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Gelände musste der Verein 100,00 DM Pacht bezahlen und war somit für alles eigenverantwortlich. Die Pacht wurde auf Antrag des Vereins fast immer erlassen. In den Akten des Vereins befinden sich noch Verträge mit Dorfbewohnern, die eine Fläche des Platzes für ihre Schafe oder Kaninchen gepachtet hatten. Als Gegenleistung: der eine jedes Wochenende 1 Sack Sägemehl, die anderen mussten den Platz sauber und den Rasen kurz halten.
Eine weitere Begebenheit, die heute zum Schmunzeln Anlass gibt: Der Anlieger am Sportplatz, Winholts, heute Schier, hatte ein Stück Roggen neben dem Platz. Weil da nun öfter der Ball herausgeholt werden musste, bat er den Vorstand, ihm den Schaden mit 20,00 DM zu ersetzen. Sollte Johannes Hüning ihm vom Bürgermeister die Genehmigung besorgen, dass er den Jauchekeller an der Schule lehren dürfe, würde er auf das Geld verzichten. Dieses Schreiben ist vom 4. Februar 1954. In welch schönen Zeit haben wir leben dürfen. Nachdem die ersten Bäume am Platz gepflanzt waren, durften die Schafe auf dem Platz nicht mehr weiden.
Zu dieser Zeit wuchsen aus den Jahrgängen 1938-40 in der Schüler-Mannschaft gute Spieler heran, die in den Gruppenspielen obere Ränge belegten, als erste Jugend in der Gruppe Wesel. Der Kreis Rees-Bocholt war in drei Gruppen eingeteilt: Wesel, Rees und Bocholt. Dieser schon erwähnte Jahrgang spielte in den Jahren 1954 bis 1957 eine große Rolle. Die Spiele gegen den PSV waren Höhepunkte des Jahres.
Unsere Mannschaft wurde in den Jahren 1955, 1956 und 1957 Meister und spielte um die Kreismeisterschaft zwei Spiele auf neutralem Platz. Sie wurden jedes Mal Zweiter. Einmal war Olympia Bocholt besser und einmal Rheingold Emmerich. In einem dieser Jahre (wahrscheinlich 1955) wurde am letzten Spieltag in PSV die Meisterschaft verspielt. Der fest eingeplante Sieg endete mit einer 9:1 Niederlage. Einige Spieler hatten den Sieg schon vorher gefeiert - auch das gab es schon. Bei einem Selbsttor seines Sohnes Günter zum 0:4 warf sein Onkel Hermann die Tasche mit Pässen und Getränken ins Roggenfeld bei Hüser und fuhr nach Hause. Die Tasche hat er montags wieder gesucht. Hermann Elsing und der Jugendleiter vom PSV Wesel Heimann waren das ganze Jahr gute Freunde. In den Wochen, wenn sie gegeneinanderr spielten, kannten sie sich nicht.
In dieser Zeit war man stolz, einem Vorstand anzugehören. Dr. Wilhelm Beisken belohnte im März 1953 Jugendleiter Hermann Elsing und Schülerbetreuer Eitel Theißen wegen besonderer Leistungen: Sie wurden in den Vorstand gewählt. Aus dieser Mannschaft haben mehrere Jungens in Auswahl-Mannschaften gespielt: Herbert Hüning, Werner Theißen und Hermann Elsing. Diese Mannschaft stellte das Gros der Aufstiegsmannschaft von 1958. 1958 wurde Heinrich Borgers (Hoher Weg) Jugendleiter. Damals schon kam nach dem Hoch ein Tief. In den 50 Jahren, in denen ich das Vereinsleben beobachtete, habe ich festgestellt, dass alle 10 bis 15 Jahre ein Jahrgang aufwächst, in dem 8 bis 10 gute Fußballer sind. In den anderen Jahren sind es ungefähr 4 bis 5. Nach dieser Zeit, etwa 1956, wurde der Platz von Landwirten aus der Nachbarschaft, aber meistens von Theo Wissing gemäht. Bis 1973 brauchte der Verein bei keiner Kommune anrufen.
In den Jahren 1958 - 1962 hatten wir 43 Jugendliche: 1 Jugend- und 1 Schülermannschaft mit mittleren Tabellenplätzen. Im Januar 1963 hat wegen Erkrankung von H. Borgers für sechs Monate Hermann Elsing erneut die Abteilung übernommen. Auf der Jahreshauptversammlung wurde der Vereinswirt Paul Amerkamp gewählt. Betreuer der Mannschaften waren: B-Jugend Heinrich Backes, C-Jugend Gerold Lange und Herbert Markl. Heinrich Giesen stellte 1964 erstmals eine D-Jugend zusammen. In den Jahrgängen 1953-55 waren viele Talente. Trainer für die B- und C-Jugend war Helmut Kluthe, die Knaben übernahm Heinrich Giesen.
1964 wurde eine A-, B-, C- und D-Jugend gemeldet. Die A-Jugend wurde Meister der Gruppe Wesel, war in den Aufstiegsspielen aber nicht erfolgreich. B- und C-Jugend erreichten 2. Plätze und die D-Jugend einen Mittelplatz. Manfred Reichert gehörte von 1962 (Schüler) bis 1966 den Auswahl-Mannschaften an. Nach dem Wechsel zum WSV 1966 in die Bestengruppe, war er an der Niederrhein-Meisterschaft der A-Jugend beteiligt und spielte mit Rainer Bonhof zusammen. Bis 1967 spielten die Mannschaften so weiter mit guten Mittelplätzen.
1957 Eintragung ins Vereinsregister
In der heute noch oft gepriesenen goldenen Zeit war auch nicht immer alles in Ordnung. Nach der im November 1957 erfolgten Eintragung ins Vereinsregister, hatte der erste Vorsitzende das Recht erhalten, in die Kompetenz des Spielausschusses einzugreifen. Was nach zwei Wochen geschah. Fortan war der Verein ohne Spielerausschuss. Von diesen sechs Leuten, die sofort zurückgetreten sind, waren fünf so beleidigt, dass sie dem Verein gänzlich den Rücken kehrten.


Diese Mannschaft gewann 1958 zum dritten Mal den Amtspokal von Ringenberg
Auf dem Bild: (stehend von links) Willi Pooth, Werner Theißen, Bruno Gerwers, August Pumpe, Herbert Hüning, (Mitte) Heinz Terlinden, Hermann Elsing, Siegfried Hennemann, (unten) Josef Kellerwald, Arnold Steinling und Theo Heßling.


Im Januar 1960 pachtete der Verein die Grundstücke von Frau Käthe Winholts und Herrn Emil Lamers für 160 Mark. In diesen Jahren wurden die Grünanlagen an mehreren aufeinanderfolgenden Samstagen gepflegt. Um die Kameradschaft und den Zusammenhalt zu fördern, lud die Vereinswirtin Johanna Amerkamp zum Mittagessen (Erbsensuppe) ein. Sie war eine sehr gute Köchin. Als die erste Schüssel Suppe aufgetragen wurde, rannte Rolf Bruns aus dem Raum. Auf die Frage: „Was machst du denn?" Antwortete er: „Da war zu viel Look (Zwiebel) drin."
Nach dem Aufstieg 1958 waren die Leistungen dieser jungen Mannschaft in den ersten beiden Jahren recht gut. Doch etwa 1960 ließen die Leistungen rapide nach. Ein Vorstandsmitglied glaubte, die Ursachen erkannt zu haben. Ab sofort beobachtete er das Freizeitverhalten am Samstagabend. Jeder Spieler, der samstags nach 24:00 Uhr in einem Gasthaus gesehen wurde, musste Rede und Antwort stehen. Wenn er meinte, mit einem schon trüben Blick, Alkohol erkannt zu haben, wurde der Spieler sofort 2 bis 3 Wochen gesperrt. Das wäre heute undenkbar. Es hat auch damals nichts genutzt. So was ließen sich ja nicht alle Spieler gefallen. Somit wurde der Kader immer kleiner, was letztlich 1963 zum Abstieg führte. Aus Personalmangel musste im Januar 1961 die 2. Mannschaft abgemeldet werden. Im Oktober 1963 mussten sie am Sonntagmorgen „begnadigt" werden, damit das Spiel der 2. Mannschaft stattfinden konnte.

1960 wurde der Platz auf die jetzige Größe ausgebaut, nachdem die Gemeinde die Grundstücke längs des Platzes dazu gekauft hatte. Der Bau des Geräte- und Schiedsrichterraumes wurde 1964 durchgeführt. Das war gleichzeitig die erste Unterstellmöglichkeit am Platz. Die handwerklichen Arbeiten wurden von Werner Theißen, Herbert Markt, Josef Kellerwald, Johannes Hüning, Josef Dicks,  Willi Nakath und Heinrich Giesen ausgeführt. Der Einbau einer Lichtanlage ist daran gescheitert, dass die Gesamtkosten von 3.105,00 DM (2.000 DM vom Landessportbund) nicht sofort zur Verfügung standen. Das Vermögen des Vereins betrug damals 1.896,00 DM. Nach heutigem Denken nicht mutig. Mit dem Bau des Schiedsrichter- und Gerätehauses, eine Toilettenanlage wurde aus Kostengründen abgelehnt, wurde die erste Unterstellmöglichkeit geschaffen. Bis zu dieser Zeit standen die Utensilien des Sportplatzes beim Vorsitzenden Willi Nakath. Der Spielbericht wurde weiterhin im Vereinslokal erstellt. Zum Training mussten wir uns zuhause umziehen. Die Mitarbeiter des Vereins haben immer improvisieren müssen. Vielleicht hat das dazu geführt, dass Menschen das 30 Jahre gemacht haben.

Im Herbst 1963 konnte das Wintertraining in die Turnhalle an der Schule verlegt werden. Bevor der Platz 1967 erneuert wurde, war nur rechts und links Gras, das zur Mitte immer weniger wurde. In den Strafräumen lag nur Sand. Der Wechsel zur Ronduit hatte auch ein Vorspiel. Das langjährige Vorstandsmitglied Josef Dicks hatte von zwei Wiesen, die in Betracht kamen, die von Meyboom in Leckerfeld ausgesucht. Wir, die nachrückende Generation, machten den Vorsitzenden sofort darauf aufmerksam, dass die Wiese von Bruckwilder viel besser sei. 
Nach 2 Wochen Arbeit glich die Wiese in Leckerfeld immer noch einem Wellental. Da meinte Herr Dicks: „Lass uns doch mal da hinten hingehen." Die von Bernhard Terlinden und Gerold Lange gezimmerten Tore waren bereits aufgebaut. An der Ronduit hatten wir den Vorteil, dass Willi Vehnes neu gebaut hatte und wir uns im alten Haus noch zum Training umziehen konnten. Es wurde noch Wasser gelegt und Willi ließ das Haus stehen, bis wir den neuen Platz benutzen konnten.  
Bei der Renovierung unseres Platzes wurde eine provisorische Drainage eingebaut, etwa höher gelegt und neu eingesät. Danach war der Platz etwa 10 Jahre fast trocken und er blieb, trotz hoher Beanspruchung, in gutem Zustand.
In der Zeit von 1960 bis 1970 hat sich der Vorstand mit der Eingliederung neuer Abteilungen sehr schwer getan. Ob aus Unwissenheit oder aus Angst, dass der Fußball leidet! In unserem Dorf waren sehr gute Leichtathleten. Bei einem Sportfest in Ringenberg war der SV Bislich der große Sieger, aber eine Leichtathletikabteilung wollte man nicht gründen. Die Mitarbeiter im Vorstand, Josef Kellerwald, Gerold Lange und Heinrich Giesen haben von 1964 bis 1966 mit dem Vorstand verhandelt, eine Altherrenmannschaft aufzustellen, um die ausscheidenden Spieler aufzufangen. Nach 2 Jahren wurde sie unter großen Auflagen genehmigt. Wir mussten für alles selber sorgen. Der erste Geschäftsführer der Altherren war Josef van de Velden. 1966 stieg der Verein über eine Werbefirma in die Plakatwerbung ein. Nach Ablauf des Vertrages wurde sie in Eigenarbeit von Gerold Lange durchgeführt. Ebenfalls wurde ein Spielmannszug unter Führung von Hermann Elsing und Theo Wissing im Jahre 1966 abgelehnt. Ob das richtig war? Auch damals galt schon, je größer, je mehr Schulter zum Abladen.
Die Zeiten von 1972 bis 1976 waren die schwersten in der Vereinsgeschichte. Die Mitarbeiter der ersten Stunde zogen sich aus Altersgründen aus der Verantwortung zurück. Die Nachfolger waren sich dieser Verantwortung nicht bewusst. Hinzu kam, dass der viel gelobte 1953/54er Jahrgang die Erwartungen nicht erfüllen konnte. In der Saison 1972/73 hatte die Mannschaft zur Halbzeit 6 Punkte und man war gezwungen, die älteren Spieler zurückzuholen. Am Ende wurde der Abstieg verhindert. Tatsache ist, dass zu dieser Zeit alt und jung nie zusammen gefunden haben. Im letzten Spiel der Saison haben ältere Spieler zwei jüngeren erklärt: „Wenn ihr jetzt nicht vernünftig spielt, jagen wir euch vom Platz!". Nach 2:0 Rückstand wurde 3:2 gewonnen.Diese Dinge mögen den Vorsitzenden dazu bewogen haben, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Am 28.7.1973 wurde kein neuer Vorsitzender gefunden.

Ab dem Jahre 1973 wurde der Platz vom Amt Ringenberg gepflegt. Eine weitere große Erleichterung  für den Verein. In einer außerordentlichen Versammlung wurde Bruno Gerwers zum Vorsitzenden gewählt. Trotz neuer Leute im Vorstand wurde es nicht besser. Das Einzige, was uns Mut machte, war die Jugend. In den Jahren 1974 und 1975 war der Besuch der Jahreshauptversammlungen auf einem Tiefpunkt angekommen. Es erschienen jeweils nur 25 Mitglieder. Trotz Abstieg der 1. Mannschaft 1976 wurde das Vereinsleben besser. Das Training mit Helmut Kluthe hob die Stimmung in den Mannschaften und im gesamten Umfeld. Mit der kommunalen Neuordnung 1975 ging der Platz in den Besitz der Stadt Wesel über und wurde nach einigen Verhandlungen so behandelt, wie alle städtischen Anlagen. 1976 wurde das Umkleidegebäude an den Verein übergeben. Für die Reinigung war die Stadt verantwortlich. An der Errichtung dieses Hauses ist Bruno Gerwers maßgeblich beteiligt. Dafür kann man ihm nicht genug danken. Das war für den gesamten Verein eine große Erleichterung.

Nach dem schlechten Besuch einer Jahreshauptversammlung 1975 (25 Mitglieder), meinte der damalige Geschäftsführer Franz Michelbrink: „Wenn ein Verein von seinen Mitgliedern finanziell und materiell nicht mehr getragen wird, verliert er seine Existenzberechtigung." Mit diesen Worten wurden auch die Mitglieder erreicht, die nicht anwesend waren. 1976 erschienen 53 Mitglieder und Wilhelm Pooth wurde in den Vorstand gewählt. Zu den Jahreshauptversammlungen erschienen immer 20 % zu besonderen Anlässen 30 % der Mitglieder. Die Mitgliederzahlen haben sich verdoppelt. 1974/75 kamen auch noch finanzielle Sorgen hinzu. Bis zu dieser Zeit bestand das Budget unseres Vereins zu 25% aus öffentlichen Zuschüssen. Dann wurde dieses Geld auf ein Minimum gekürzt. Die Folge waren Beitragserhöhungen. 1975 wurde der Monatsbeitrag von 1,50 DM auf 2,50 DM erhöht. Das war die einzige Erhöhung, die ohne Proteste ablief. Mit 8,00 DM stehen wir heute an der untersten Grenze in NRW.


Der ewige Kampf mit der Platzanlage


Das erste Schreiben ist vom 12.07.1949 und handelt von einem neuen Gelände, oder welches dazu zu kaufen. Der Gemeinderat versprach, die Nachbargrundstücke zu kaufen. 1960 hatte der Verein diese gepachtet. Januar 1967 erfolgte ein Antrag an den Bürgermeister: Neubau oder Totalrenovierung des jetzigen Platzes. Ein Neubau hätte 5 Jahre gedauert, die Renovierung war sofort möglich. Der Vorstand entschied sich für die Renovierung. Anstatt einer ordentlichen Drainage wurde jedoch nur eine provisorische Drainage eingebaut. Ich glaube, da hätte der Vorstand anders reagieren müssen. Denn in allen Dörfern, wo einflussreiche Politiker lebten, wurden  neue Anlagen gebaut. Auch in Bislich lebte einer. Oder gefiel die Partei nicht? In unserem Gemeinderat bestimmten die Landwirte und da hatte der Sportverein keine Lobby. Der erste Sohn eines Landwirts trat 1960 mit 18 Jahren dem Verein bei (Theo Peters). Er war 15 Jahre der 1. Mannschaft eine große Stütze. Noch etwas Seltsames aus unserer Dorfgemeinschaft. Die Geistlichkeit und wir wollten doch die selben Schäflein hüten, doch von allen Priestern habe ich nur Pfarrer Dingermann und Pfarrer Walterfang während seiner kurzen Zeit in Bislich sogar öfter bei den Jugendspielen als Zuschauer gesehen.



1976 wurden der Stadtsportverband und der Kreissportverband gegründet, wo wir Mitglied wurden. Der Stadtsportverband rief die Stadtmeisterschaften von Wesel im Feld und in der Halle ins Leben. Wenn diese Einrichtung in den ersten Jahren auch viele Hürden nehmen musste, so hat sie die Vereine von Wesel viel näher gebracht. Ich finde es wohltuend, wie die Vertreter miteinander umgehen. Die Ausrichtung dieser Veranstaltung übernehmen im Rhythmus die damals 7 Weseler Fußballvereine in wechselnder Form. Heute sind es 10 Vereine. Wir waren im Feld und in der Halle je 3 mal Ausrichter und jedes Mal war es ein voller Erfolg.
1977 schloss sich die Abteilung Frauenturnen dem Sportverein an. Leiterin war und ist Frau Erika Dicks, seit 1990 unterstützt von Frau Ursula Kühnen. Nach dem Anschluss an Wesel durften nur noch Mitglieder des Stadtsportverbandes die Halle benutzen. Aber die Angleichung des Beitrages hat 1 Jahr gedauert. Der Beitrag betrug 2,50 DM im Monat. Zum 50jährigen Bestehen mussten wir den Abstieg aus der Kreisliga A hinnehmen. Helmut Kluthe gab aus Altersgründen seinen Job auf.


Die Bislicher Turnriege beim 50. Geburtstag von Erika Dicks
Stehend v.l.n.r: Maria Schweers, Gertrud Terfurth, Maria Lemken, Marlene Ramms, Liesel Köhn. Kniend v.l.n.r:  Marlies Giesen, Irmgard Sapatka, Monika Wikker, Ursula Kühnen. Liegend v.l.n.r: Luise Elsing, Gisela Pumpe, Agnes Giesen.
Einstudiert von Renate Demmig


1976 steigt der Verein in die Werbung am Mann ein. Es wurde mit der Firma Radio Pooth ein Vertrag geschlossen. Wegen der Abrechnung der Kasse vom 1.1. bis 31.12. eines jeden Jahres wurde der Termin der Jahreshauptversammlung vom Herbst auf das Frühjahr verlegt. Nach 18 Monaten als 2. Vorsitzender wurde Wilhelm Pooth im März 1978 zum 1.Vorsitzenden gewählt. Er ging mit großem Elan an die neue Aufgabe. Vorrangiges Ziel war die Kreisliga A. Als Trainer kam Bruno Dickmann, der 2 Spieler aus Büderich mitbrachte. Friedel Eilts kam aus Emmerich und Gerd Steinling aus Bocholt zurück. Die Berater von damals kamen nicht aus Bislich. Nachdem er uns das unterbreitet hat, habe ich ihm vorausgesagt, dass wir nicht aufsteigen. Die Spieler waren von Beginn  an zwei Gruppen, die nie zusammengefunden haben. Nach dieser großen Enttäuschung wollte der Vorsitzende sein Engagement beenden. Gutes Zureden und Vorschläge von uns bewegten ihn zum Weitermachen. Bruno Dickmann hörte als Trainer auf, spielte aber weiter. Ein weiterer Lichtblick, aus der Jugendabteilung wurden 6 talentierte Spieler in die Seniorenabteilung übernommen.
Etwa 1977 wurde eine "Stadionzeitung" vom damaligen Spieler Friedel Eilts eingeführt. Nach kurzer Unterbrechung wurde die Zeitung von Gertrud Giesen, Bettina Amerkamp und Ursula Kühnen wieder fortgeführt. Die Zeitung wurde um den Werbeteil erweitert, der so manche Mark einbrachte. Die Zeitung wurde bis 1993 im Pfarrhaus bei Pfarrer Haertl gedruckt. Michael Elsing erstellte sie bis 1998. Alfred Küppers übernahm diese Arbeit bis heute. So erscheint der „Dribbler" noch immer bei jedem Heimspiel. Seit 1978 hat der Spielausschuss seine eigentliche Aufgabe verloren. Der Trainer war für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich und stellte daher die Mannschaft selber auf. Aus dem Spielausschuss wurden Mannschaftsbetreuer.
1978 wurde zum letzten Mal ein Preisschießen durchgeführt. Die Auflagen der Behörden konnten wir nicht mehr erfüllen. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich soweit verändert, dass nur noch wenige die Gasthäuser besuchen. Die jungen Leute zog es in die Stadt zur Disco. Um diese finanziellen Ausfälle auszugleichen, wollte der Vorsitzende einen Sportlerball ins Leben rufen. Drei Versuche 1979, 1980 und 1981, unter großem Aufwand aufgezogen, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Vereinführung des Vorsitzenden Wilhelm Pooth wird vermutlich Bruno Gerwers veranlasst haben, die von ihm, dem Sportverein angeschlossene Tennisabteilung, 1974 unter dieser Führung nicht weiter zu verfolgen. Nach dem Ausscheiden von Bruno Gerwers aus dem Vorstand des SV Bislich wurde er 1980 Vorsitzender des neu gegründeten Tennisclubs. Er blieb dem Sportverein trotzdem immer verbunden.

1979 wird unter Leitung von Gisela Henschel eine zweite Damenturngruppe gebildet. Sie und die beiden Leiterinnen der anderen Gruppen, haben dem Verein bis heute die Treue gehalten.
1980 wird Gertrud Giesen, als erste Frau, als Frauenbeauftragte in den Vorstand gewählt. Für die Saison 1979/80 wurde Buddy Peschen als Trainer verpflichtet. Bei allem Einsatz für die 1. Mannschaft erkannte der Vorsitzende Wilhelm Pooth bald, dass der Erfolg in unserem Dorf aus der eigenen Jugend kommen muss. Gegen die Zustimmung vieler Vorstandsmitglieder wurden zwei Jugendtrainer  eingestellt. Besser gesagt, er hatte nur einen Fürsprecher und das war der damalige Jugendleiter Helmut Amerkamp! Heute wissen wir, wie recht sie hatten. Nach einer hervorragenden Saison wurde der Aufstieg geschafft. Die Klasse wurde mit oft wechselnden Trainern bis 1986 gehalten.

1985 wurde die Tischtennisabteilung gegründet. Abteilungsleiter wurde Bernd Grütter. Die anfängliche Euphorie von über 60 Mitgliedern ging sehr schnell auf die Hälfte zurück. 1984 wurde die Amtszeit eines gewählten Vorstandsmitgliedes auf zwei Jahre erweitert. Jährlich wird die Hälfte des Vorstandes neu gewählt. 1980 wurde eine Damen-Fußballmannschaft gebildet. Die anfängliche Begeisterung wich sehr schnell der Realität. Große Anstrengungen der Betreuer Bettina und Hans-Bernd Amerkamp konnten nicht verhindern, dass nach 18 Monaten wieder Ende war. Die berufliche Entwicklung des Vorsitzenden zwangen ihn 1986 dazu, seine Arbeit im Verein zu beenden. Es war, wenn auch nicht immer leicht, eine recht erfolgreiche Zeit: Aufstieg der 1. und 2. Mannschaft, Stadtmeister in der Halle 1979 und im Feld 1981 und 1982. Im März 1984 übernahm Klaus ten Hoevel den Vorsitz im Verein. Einige Sofortmaßnahmen waren: Alle zwei Monate Zusammenkunft aller Mitarbeiter, zur Verbesserung der Kassenlage wurden Sparmaßnahmen beschlossen und bei jeder Sitzung wurde ein Protokoll erstellt. Die Saison endete mit dem Abstieg der 1. Mannschaft.

Im Herbst 1986 konnte der Hartplatz in Betrieb genommen werden. Endlich hatte die Fahrerei nach Wesel ein Ende - für Spieler und Mitarbeiter eine große Erleichterung. Der Bau des Hartplatzes wird  noch an anderer Stelle beschrieben. Nach langen Gesprächen mit Manfred Reichert gab er seine Zusage, die 1. Mannschaft zu übernehmen. Erneut kam Zuwachs aus der Jugendabteilung. Mit dieser gesunden Mischung gelang nach einem schwachen Saisonbeginn der Aufstieg in die Kreisliga A. Der Geschäftsführer schrieb 1991: „ Die besten 5 Jahre des Vereins mit Manfred Reichert." Wir hatten das Glück, dass innerhalb von 3 Jahren 15 talentierte junge Spieler aus der Jugendabteilung zum Senior wurden. Einige junge Leute aus der näheren Umgebung schlossen sich  unserem Verein an. Aus diesen, meist jungen Spielern, hat Manfred Reichert in 4 Jahren eine Mannschaft geformt, die den Sprung in die Bezirksliga schaffte. 
Die gesamte Mannschaft blieb zusammen. Sie wurde ergänzt durch Martin Jansen, Ralf Gähler und Ralf Overkämping. Unter der Führung von Klaus ten Hoevel wurde die Mannschaft nach unseren Möglichkeiten verstärkt. Es wurde alles ruhig und intern, ohne große Öffentlichkeit geregelt. Ab Sommer 1990 wurde der Verein von der Firma PCAS, deren Geschäftsführer Wilhelm Pooth war, großzügig unterstützt.


1987: Aufstieg der Ersten in die Kreisliga A
Stehend von links: Thomas Jansen, Michael Elsing, Gerd Steinling, Ludger Gerwers, Rainer Dicks, Frank Weiß und Trainer Manfred Reichert. Kniend: Norbert Nakath, Frank Scholten, Uwe Theißen, Bernhard Nakath, Werner Wüst. Weiter im Kader: Michael Weiß, Christoph Hommers und Peter Braems.


Obwohl einige Spieler langwierige Verletzungen erlitten (Dirk Lorenz, Michael Elsing), geriet die Mannschaft nie in Abstiegsgefahr. Im Sommer 1991 wollte Manfred Reichert etwas Neues beginnen und verließ uns in Richtung Xanten. An seine Stelle trat der bisherige Co-Trainer Jürgen Uschmann. Als Spieler kam Walter Schmitz dazu. Die Mannschaft belegte von Beginn der Saison einen gesicherten Mittelplatz. Klaus ten Hoevel konnte während seiner Zeit der Vereinsführung große Erfolge verzeichnen: Aufstieg in die Kreisliga A, in die Bezirksklasse, Stadtmeister in der Halle 1989,  im Feld 1989 und 1990. Ebenfalls wurde die 1. im Januar 1991 zur Weseler Mannschaft des Jahres gewählt. Eigentlich herrschte Zufriedenheit im Verein, dennoch wurde er auf der Jahreshauptversammlung im März 1992 abgewählt. Neuer 1. Vorsitzender wurde erneut Wilhelm Pooth. In seiner Antrittsrede sagte er dem Verein volle Unterstützung durch die Firma PCAS zu. Warnende Stimmen einiger Altgedienter wurden erneut überhört. Die Saison wurde mit einem oberen Platz beendet. Nach 6 erfolgreichen Spielen in der Saison 1992/93 folgten 6 Niederlagen, die für den Trainer Jürgen Uschmann das Ende bedeuteten. Nachfolger wurde im Januar 1993 Rainer Bruns.

Wir erlebten 4 1/2 Jahre guten Fußball. In den Jahren 1994/95 und 1995/96 stand die Mannschaft sogar an der Tabellenspitze. Nur die Angst, etwas falsch zu machen, verhinderte mehr. Im Januar 1997 unterrichtete uns Rainer Bruns, dass er zum Saisonende seine Trainerarbeit beenden würde. Alle Versuche, ihn zum Bleiben zu bewegen, waren erfolglos. Um die spürbare Unruhe in der Mannschaft in den Griff zu bekommen, entschloss sich der Vorstand, einen Spielertrainer mit der Aufgabe zu betrauen. Einer der älteren Spieler zeigte großes Interesse, um uns nach 2 Monaten zu sagen: „Ich mache es nicht." 
Da Michael Elsing in der Zwischenzeit Interesse gezeigt hatte, haben wir ihn verpflichtet.
Wegen Turbulenzen in seinem Betrieb, hatte der Vorsitzende in diesen Wochen sehr wenig Zeit für den Verein. Eine Spielersitzung, die schon oft Risse gekittet hatte, vergrößerte diese noch. 4 Spieler verließen uns daraufhin. Der Vorsitzende delegierte wichtige Aufgaben an junge Mitarbeiter, die im zweiten Jahr völlig überfordert waren.

Im Frühjahr 1996 erkannte ich die selben Vorzeichen bei unserem Sponsor, wie schon 1984. Um den totalen Einbruch zu verhindern, ging mir der Gedanke an eine Bandenwerbung nicht mehr aus dem Kopf. Meine langjährigen Weggefährten konnte ich für dieses Vorhaben nicht gewinnen. Es waren schon 2 Arbeitsgruppen damit gescheitert, etwa 1980 und 1990. Bei einigen jüngeren Mitarbeitern fand ich Gehör. Nachdem ich ihnen erklärt hatte, was ich wollte, und dass das im Anfang benötigte Geld vorhanden war, waren Alfred Küppers, Steffen Herden, Roland Köhn und Wolfgang Schmidt bereit, mir zu helfen. Mit so einer Bereitschaft bei der Bislicher Geschäftswelt und darüber hinaus haben wir nicht gerechnet. Im ersten Anlauf hatten wir 14 Werber auf 80 Metern Werbefläche. Im Jahre 2001 sind es 150 Meter. Nach einer guten Saison 1997/98 sahen wir in der Saison 1998/99 eine Mannschaft ohne Leben.


Die Bandenwerbung am Sportplatz im Dorf etabliert sich
Von links:. Peter Giesen, Heinrich „Heini“ Giesen, Friedhelm Bohländer und Thomas Giesen


Den Vorsitzenden sah man zu dieser Zeit nur noch selten. Ich hatte die Fahrten zum Kriegerdenkmal auch aufgegeben. Der restliche Vorstand hätte bereits im November handeln müssen. Aber wir haben immer gehofft, dass die Mannschaft sich findet. Wir wollten einen jungen Mann nicht verletzen, an dem wir uns 20 Jahre erfreut hatten. Anfang März 1999 mussten wir es dann doch tun. Der Trainer der 2. Mannschaft, Werner Marschall,  übernahm die 1. Mannschaft. Obwohl in den restlichen Spielen die Punkte zum Klassenerhalt geholt wurden (sie verlor nur noch das letzte Spiel), hatten die meisten Spieler sich schon vorher zu einem Vereins-Wechsel entschlossen. Auf einer Vorstandssitzung Anfang März 1999 erklärte der Vorsitzende auf der Jahreshauptversammlung, er wolle nicht mehr  kandidieren. Zum Vorsitzenden wurde Friedhelm Bohländer gewählt.
 Die Mannschaft fiel vollkommen auseinander. Der Versuch, mit unseren Mitteln eine konkurrenzfähige Mannschaft zu bekommen, gelang nicht. 

Damit war der Abstieg besiegelt. Beim Trainer Christoph Körner galten noch mündliche Verträge. Er hielt das schwere Jahr durch. Für alle Mitglieder erfreulich, dass der neugebildete Vorstand den Fall nach ganz unten auffangen konnte. Ehemalige gute Spieler haben den Weg zurück gefunden. Die Mannschaft belegte im Januar 2001 einen Aufstiegsplatz. 
Wir haben in den letzten 20 Jahren meistens sehr guten Fußball gesehen. Es waren schwere Zeiten, aber die Freude überwog. Unseren reinen Amateurstatus haben wir oft ändern müssen, vieles gelernt, aber auch wie, gefährlich es ist, wenn man von einem Sponsor abhängig ist. Heute (2001) haben wir 45 Sponsoren. Mit der Stadt Wesel werden seit 1998 interne Gespräche über eine neue Platzanlage geführt. Es ist in unserem Dorf nicht einfach, ein geeignetes Grundstück zu finden. Zur Zeit beschäftigt sich ein Mann mit dieser Angelegenheit, dem schon öfter große Dinge gelungen sind. Zum Schluss möchte ich die Kameraden erwähnen, die mit den schon genannten Vorsitzenden am meisten das Vereinsleben bestimmt haben: Das waren in der konservativen Epoche von 1946 bis 1973: Johannes Hüning, Josef Dicks, Theodor Hemmers, Hermann Elsing sen., Hans Köster, Josef Heidemann, Theodor Wissing und Bruno Gerwers. In der zweiten Epoche von 1973 bis 1999: Gerold Lange, Heinz Terlinden und Hermann Elsing jun., Horst Theißen, Klaus-Rüdiger Schäfer, Heinrich Giesen und Friedhelm Bohländer. 1999 hat eine neue Generation den Verein übernommen. Es wird mit Sicherheit nicht einfacher, einen solchen Verein zu führen.


Ich wünsche euch viel Glück!
Heinrich Giesen


Bewiesen Mut in schwierigen Zeiten und rissen das Steuer herum
Von links:. Peter Giesen, Detlef Kerskes, Alfred Küppers und Friedhelm Bohländer