Aus Wiese wird Ascheplatz



Unter dieser Rubrik finden Sie Inhalte aus unserer Festschrift / Chronik anlässlich unseres 100-jährigen Jubiläums zzgl. eventuell weiteres Text- und Fotomaterial.

Die Entwicklung des Trainings

Von der Wiese bis zum eigenen Hartplatz

In den ersten Jahren nach dem Krieg war Training im Vereinsleben gar nicht eingeplant. Die Menschen waren alle so beschäftigt, dass für solche Dinge gar keine Zeit blieb. Viele junge Menschen waren in der Landwirtschaft oder in den Kiesgewinnungsbetrieben beschäftigt, wo ein 14-Stundentag galt. Da gab es vor 20:00 Uhr am Abend keine Freizeit. Um 1948 wurden am Samstagnachmittag die ersten Trainingsstunden eingerichtet, da am Nachmittag schon einige Spieler frei hatten. Die Verantwortung übernahm einer der älteren Spieler.
Der erste offizielle Trainer des Vereins wurde 1950 Herr Berger (ein Angestellter der Firma Suhrborg), der zweimal in der Woche das Training für alle Spieler des Vereins durchführte. In den Wintermonaten ruhte das Training. An diesem Zustand änderte sich bei mehreren Vereinstrainern sehr wenig.
Zum heutigen Training gehören pro Spieler: 1 Ball, Leibchen, Stangen und kleine Tore. Da durfte man 1950 nur von träumen. Der Verein besaß 5 Bälle (2 für sonntags und 3 für das Training), und wenn Josef Dicks nicht zuhause war, wurde nur gelaufen. Der Beitrag betrug im Jahr 1950 dreißig Pfennige, Kinder und Jugendliche waren frei. Ein Lederball kostete 50 DM. Das war die Einnahme von sechs Wochen.


Nach 3000 Arbeitsstunden ist es im Jahr 1988 geschafft - der SV Bislich besitzt auf dem Hartplatz eine Flutlichtanlage und einen Ballfangzaun. Großen Anteil hatten Heinrich Giesen, Willi Nakath, Horst Theißen, Gerold Lange, Hermann Elsing und Heinz Terlinden


Nach dem Aufstieg 1958 in die 1. Kreisklasse blieben trotz guter Spieler, besonders im Winter, die Erfolge aus. Andere Vereine, die Lichtanlagen oder eine Halle hatten, waren uns überlegen. Um eine Verbesserung bemüht, verhandelte der Vorstand 1959 mit Frau Hilde Pooth über die Benutzung des Saales im Winter. Sie gab die Zusage, wenn der Verein die Schäden am Fußboden (Holz) repariert. Das Training leitete mittwochs Lehrer Schulz. Auch damals lebten Trainer schon gefährlich. Im Frühjahr 1961 wurde mit Josef Menke vom WSV der erste bezahlte Trainer für 60 DM im Monat eingestellt. Nach 8 Monaten musste der Vertrag wieder gelöst werden. Von einer Mark im Monat bei 120 Mitgliedern konnte man das nicht bezahlen.
Das Wintertraining übernahm der Torhüter der 1. Mannschaft, Toni Kastanier, ohne Geld. Im Frühjahr 1963 waren die Schäden am Saalboden so groß, dass man auch das aufgeben musste. Im Sommer 1963 wurde Helmut Kluthe als Trainer eingestellt. Ebenfalls wurde 1960 mit dem Bau einer Turnhalle im Dorf begonnen. Ab 1963 war ein ordentliches Training möglich, das 1966 durch den Aufstieg in die 1. Kreisklasse bestätigt wurde. Das jede Euphorie nachlässt, machte auch bei uns nicht halt. Nach etwa 8 Jahren wurden Abstiegsängste mit dem Hallentraining verbunden.


Mitglieder des Vereins (u.a. Heinrich Giesen, Gerold Lange, Klaus Theißen, Willi Amerkamp, Hans-Bernd Amerkamp, Dieter Güllmann, Dieter Nunnendorf, Xaver Diedenhoven, Peter Giesen, Hajo Eilts, Josef Heidemann, Uwe Tenbergen, Thomas Giesen, Walter Heidemann, Werner Theißen und Wilhelm Pooth) trafen sich nach Feierabend und griffen selber zur Schaufel.


Nach neunjähriger Arbeit beendete Helmut Kluthe seine Tätigkeit. Sein Nachfolger Friedhelm Bauer ging nach einem Jahr wieder. Er scheiterte daran, dass keine Mitarbeiter zur Verfügung standen. In den folgenden Jahren fanden die Trainer keinen Draht zum Verein und der schwierigen Mannschaft. Nach dem Abstieg 1976 wurde erneut Helmut Kluthe bis 1978 verpflichtet.
Nach der kommunalen Neuordnung gehörten wir zur Stadt Wesel. Da die Stadt Wesel auch in Bislich kein Gelände hatte, bot man uns Trainingsstunden auf den städtischen Anlagen an. Ab 20. Oktober 1978 erhielten wir mittwochs und freitags Stunden von 20:00 bis 22:00 Uhr. Trainer war Bruno Dickmann. Von den Spielern und Mitarbeitern wurde Großes abverlangt. Trainingsmaterial musste immer von Bislich zum Ort des Trainings transportiert werden. Am Trainingsort war eine Lagerung nicht möglich. Die Plätze wechselten ebenfalls öfter: Stadion Nord, Lippestadion, Waldstadion - und wir waren überall nicht gerne gesehen.


Helmut Kluthe, langjähriger Trainer der Bislicher Senioren und Junioren



Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte die Sache sich gut. Im Herbst 1981 installierte die Jugendabteilung eine Notbeleuchtung auf unserem Platz, aber nach wenigen nassen Wochen konnten wir den Platz nicht mehr benutzen. Die ehrgeizigen Jugendbetreuer Erwin Bruns und Paul Tengs bildeten mit den Seniorenspielern Fahrgemeinschaften und fuhren ihre Mannschaften ebenfalls nach Wesel, so dass der Platz Wesel-Nord zur späten Stunde mit 40 Spielern besetzt war. Diese Schwierigkeiten, die späten Termine und oft wechselnden Plätze hatten auch oft wechselnde Trainer zur Folge.
Beim Besuch der Platzeinweihung des TuS Mehr 1992, die alles in Eigenleistung schafften, ist mir der Gedanke gekommen: „Das müssten wir auch schaffen!". Ein erneutes Gespräch mit Herrn Wilhelm Hortmann verlief positiv. Er stellte uns ein Gelände in der Nähe des Platzes in Aussicht. Die Freude des Vorsitzenden ließ sich nicht zügeln. Er stellte nur die falsche Partei in den Vordergrund. Am nächsten Morgen um 9:00Uhr zerstörte ein Anruf alle Träume.
Dann sind wir auf die Müllkippe gestoßen. Anfragen bei der Stadt weckten auch dort Interesse. Nach langen Verhandlungen und viel Arbeit konnten wir ab Herbst 1988 endlich das Wintertraining in unserem Dorf austragen. Allen Kritikern dieser Anlage sei gesagt: Für Spieler und Mitarbeiter war es eine große Erleichterung und dem Verein brachte es einen großen Aufschwung. Am Umfeld sind mit Sicherheit große Mängel. Der Hartplatz ist einer der Besten im Kreis. Bis heute ist der Platz 5mal in der Woche belegt.


Quelle: Heinrich Giesen
75-Jahre-Festschrift 2001


Alle fleißigen Helfer trafen sich, um die Einweihung des Aschenplatzes zu feiern.