Aus Ascheplatz wird Sportanlage
Unter dieser Rubrik finden Sie Inhalte aus unserer Festschrift / Chronik anlässlich unseres 100-jährigen Jubiläums zzgl. eventuell weiteres Text- und Fotomaterial.
Ganz so alt wie der SV Bislich selbst, ist er nicht, der Traum von einer neuen Sportanlage. Doch es kommen bestimmt etliche Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zusammen, dass der SVB sich
sehnlichst eine Anlage gewünscht hat, die Ansprüche erfüllt, wie sie ein Sportverein in der heutigen Zeit eigentlich bieten sollte.
Natürlich haben wir, die wir beim SV Bislich groß geworden sind, unseren alten Sportplatz geliebt. Dort sind wir groß geworden. Dort haben nicht wenige ihre gesamte Kindheit und noch viele Jahre
darüber hinaus verbracht. Dort haben wir große Erfolge gefeiert, haben die einmalige Atmosphäre mitten im Dorf genossen, die es sonst nirgendwo in Wesel gab. Aber wir haben den „Blätterbottich“,
wie wir ihn vor allem im Herbst aufgrund der Unmengen an Laub auf der Spielfläche manchmal genannt haben, auch oft genug verflucht. Die Unebenheiten des Rasens, das fehlende Flutlicht, die
Entfernung zum ohnehin ungeliebten Ascheplatz, die nur wenige Zentimeter von der Seitenauslinie stehenden Bäume, dazu die gerade zum Ende hin heruntergekommenen Umkleidekabinen. Und ein Clubheim,
in dem ein Vereinsleben außerhalb des aktiven Sports stattfinden konnte, gab es ebenfalls nicht.
Nicht wenige Mitglieder hatten die Hoffnung, dass sich dieser Zustand einmal ändern könnte, längst aufgegeben. Dass es anders gekommen ist und wir im Jahr 2026, dem Jahr, in dem der SV Bislich
100 Jahre alt wird, eine neue, schmucke Sportanlage am Feldwicker Weg besitzen, ist zu großen Teilen dem aktuellen Vorstand mit dem Vorsitzenden Hans-Peter Faerber zu verdanken. Er und seine
Vorstandskollegen blieben hartnäckig, wollten die Vision nicht einfach zu den Akten legen.
Ein Blick zurück: Ende 2010 hatten die Mannen um Hans-Peter Faerber immer noch die Hoffnung, eine neue Sportanlage an der Mühlenfeldstraße, unmittelbar vor dem Dorfeingang, zu bekommen. Und
angeblich waren da auch schon einige Gutachten durchgeführt worden. Hierzu sollte die alte Sportstätte in Baugrundstücke umgewandelt und verkauft werden, um die neue Sportanlage zu
finanzieren.
Doch in den ersten Gesprächen mit dem damals noch neuen Dezernenten der Stadt Wesel, Dirk Haarmann, kristallisierte sich Anfang 2011 bereits heraus, dass sich diese Variante nicht umsetzen lassen
würde, da es für Bislich keinen gültigen Bebauungsplan gab. Das bedeutete, dass keine neuen Baugrundstücke ausgewiesen werden konnten. Nun begann ein langwieriger Prozess zwischen dem SV Bislich
und der Stadt Wesel, um eine für beide Seiten tragbare Lösung für eine neue Sportanlage zu finden. Hans-Peter Faerber betont in diesem Zusammenhang, dass beide Seiten stets partnerschaftlich
versucht haben, gemeinsam das Ziel umzusetzen, auch wenn man sich nicht immer einig darüber war, wie eine für beide Seiten umsetzbare Lösung finanziert und umgesetzt werden kann.
„Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, mich nochmals bei der damaligen Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und dem damaligen Dezernenten Dirk Haarmann für ihre positive und konstruktive
Unterstützung zu bedanken. Für die Vertreter der Stadt war es bei ihren Teilnahmen an zahlreichen Jahreshauptversammlungen des SV Bislich nicht immer einfach. Doch sie haben uns bei der Umsetzung
unseres Vorhabens sehr geholfen“, sagt Hans-Peter Faerber.
Die anfängliche Idee, den bestehenden Ascheplatz zu sanieren, dort auch ein neues Umkleidegebäude zu errichten und den Rasenplatz an der Frankenstraße weiter zu nutzen, wurde auch auf Drängen des
SV Bislich schnell verworfen. In vielen Gesprächen, die intern und extern geführt wurden, reifte schließlich die Idee, alles am Feldwicker Weg zu konzentrieren und den geliebten Rasenplatz in der
Dorfmitte aufzugeben. Der Plan: Der Ascheplatz sollte in ein Kunstrasenspielfeld umgewandelt werden. Außerdem sollte ein Umkleidegebäude mit angrenzendem Vereinsheim gebaut sowie entsprechende
Parkplätze installiert werden. Mit der Zustimmung von Stadt und Politik im Sommer 2011 bekamen die Hoffnungen und Pläne des SV Bislich einen ersten formellen Anstrich. Dass es noch ein weiter Weg
bis zur tatsächlichen Realisierung werden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Ein weiteres Jahr, begleitet von Verfahren, Gutachten, Bodenproben und Planänderungen, war ins Land gezogen, da kündigte die Stadt Wesel im Rahmen der Jahreshauptversammlung des SV Bislich an,
dass mit einem Baustart 2013 gerechnet werden könne. Erste Zahlen gab es auch bereits: Die Gesamtkosten lagen bei 913.000 Euro. Davon wollte die Stadt 650.000 Euro übernehmen, der SV Bislich
sollte 100.000 Euro an Eigenleistung beisteuern. Die fehlenden 163.000 Euro könnten mit einem höheren Anteil an Eigenleistung beziehungsweise durch Spenden und Sponsoren ausgeglichen
werden.
Die folgende Planungsphase erwies sich als anstrengendes Prozedere. Ein manchmal undurchdringbarer Dschungel an Vorschriften musste beachtet werden, weitere Gutachten und Auswertungen wurden aus
den unterschiedlichsten Gründen fällig. Dass im Mai 2014 mit Dezernent Dirk Haarmann ein mehr als hilfreicher Fürsprecher der neuen Sportanlage die Stadt Wesel verließ und in Voerde Bürgermeister
wurde, war auch nicht gerade förderlich, zumal sich sein Nachfolger Daniel Kunstleben erst einarbeiten musste. Und dennoch: Im Februar 2014 begann der SV Bislich mit den ersten Arbeiten am
Ascheplatz (Rodung, Abbau von Ballfang und Stankett), im festen Glauben, es würde bald losgehen.
Doch es kam anders. Denn am 22. Dezember 2015, also pünktlich zum Weihnachtsfest, kündigte die Stadt Wesel die bestehende Vereinbarung mit dem SV Bislich. Als Grund führte sie an, dass der Bürge
für die 200.000 Euro abgesprungen sei und somit der Vertrag nicht erfüllt wurde. Die Fronten verhärteten sich zu diesem Zeitpunkt auf beiden Seiten, der SV Bislich zog in Erwägung, die Stadt
Wesel bei einer Kündigung des Vertrags zu verklagen und holte sich mit dem Bislicher Dirk Giesen einen erfahrenen Rechtsbeistand zur Seite, der den SVB schon während der gesamten Ausarbeitung der
einzelnen Vertragsentwürfe unterstützt hatte. Gott sei Dank glätteten sich die Wogen wieder und nach weiteren Gesprächen mit den Ratsfraktionen stand eine tragbare Lösung und eine verbindliche
Version des Vertrages, wobei sich ein weiterer Bislicher hervortat: Herbert Heißing erklärte sich bereit, die nun reduzierte Bürgschaft von 40.000 Euro für den Verein zu übernehmen. In diesem
Zusammenhang sollte ein Zitat von Dirk Giesen nicht unerwähnt bleiben, der auf die Äußerung des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Ludger Hovest, der von der Stadt konzipierte Vertrag sei
wasserdicht, wie folgt reagierte: „Der Vertrag ist so wasserdicht wie die Titanic, als schon die Blaskapelle spielte.“ Aber noch einmal: Es ist gut, dass beide Seiten wieder zueinander fanden.
Anfang 2017 kam dann auch sichtbare Bewegung in das Unternehmen neue Sportanlage. Mit der Erstellung des Lärmschutzwalls im März 2017 begannen die Arbeiten. Unzählige Stunden wurden im Laufe der
folgenden Zeit von vielen Helfern „gekloppt“, wie es am Niederrhein so schön heißt. Die einzelnen Arbeitsschritte und Helfer, die sie verrichteten, hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieser
Chronik sprengen. Daher neben dem verantwortlichen Vorstand mit Hans-Peter Faerber, Thomas Giesen, Alfred Küppers und Friedel Eilts nur einige Beispiele:
Gerold Lange, Theo Lamers, Edmund Ramms, Werner Wüst und Herbert Kellewald packten mit an, als es darum ging, die L-Steine zur Begrenzung des Umkleidegebäudes und des Vereinsheims zu setzen. Die
Verschrottung der Container stand an, die Bodenplatte wurde errichtet, das Erstellen von Umkleidegebäude und Vereinsheim begann. „Ich möchte es nicht versäumen, mich bei Frank Seibt von der Grav
Insel für die großzügige Spende der Porenbetonsteine für unser Vereinsheim zu bedanken“, sagt Hans-Peter Faerber. Ohne Sponsoren, die umliegende Vereine unterstützen, geht es eben
nicht.
Im Januar 2018 wurde dann unter der Federführung von Bernhard Nakath und Gerold Lange sowie weiterer Helfer nicht nur der komplette Dachstuhl fertiggestellt. Es gab am 27. Januar 2018 auch ein
durch die Stadt organisiertes Richtfest mit allen Beteiligten und den Helfern, Nachbarn, Vertretern der Stadt und der Verwaltung. Den Richtspruch hielt Stefan Lamers, gefeiert haben alle. Der
nächste Schritt ließ nicht lange auf sich warten. Erneut waren viele Helfer zur Stelle, als unter der Leitung von Simon Kluth und Ulrich Lerf das Dach eingedeckt wurde und mit den
Verkleidungsarbeiten an den Giebelwänden und den Dachüberständen begonnen wurde.
Jetzt stand der Innenausbau auf dem Programm. Auch in diesem Punkt ist es fast unmöglich, sämtliche Bauabschnitte und die Helfer, die dabei mitwirkten aufzuzählen. Erwähnenswert sind in jedem Fall die Elektroarbeiten, die von Frank Scholten und Andreas Siegmund bewältigt wurden. Und vielen dürfte ein Zitat von Bernhard Nakath, der bei den Deckenarbeiten die Leitung innehatte, in Erinnerung geblieben sein. Es könnte womöglich ein Sinnspruch für das gesamte Projekt sein: „Es ist nicht schlimm, wenn’s schnell geht.“ Wohl wahr.
Die nächsten Bauabschnitte ließen nicht lange auf sich warten. Zu nennen sind da beispielsweise der Einbau und Anschluss der Heizungsanlage, die Montage der Fenster im Vereinsheim oder das Verputzen der Wände und die Fliesenarbeiten an selber Stelle. Hans-Peter Faerber bringt in diesem Zusammenhang abermals einen Dank an. „Karl-Heinz Heinen hat uns während der gesamten Bauzeit mit allen erdenklichen Mitteln unterstützt.“
Weitere große Herausforderungen standen allerdings schon vor der Tür. Dazu zählte ganz sicherlich das Anlegen und Verlegen der Pflasterflächen. Auch hier leisteten etliche Helfer, angeführt von Thomas Giesen und Lukas Köhne, ganze Arbeit. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch bewundern. Mittlerweile im November 2018 angekommen, fand die gemeinsame Abnahme mit dem Gebäudemanagement der Stadt Wesel statt. Der Grundstein für den Kunstrasenplatz war gelegt, die Ausschreibungen hierfür konnten in enger Zusammenarbeit mit der ASG Wesel auf den Markt gebracht werden.
Anfang 2019 fiel auch in Sachen Kunstrasen der Startschuss. Im Anschluss an die Erdarbeiten wurde das künstliche Grün verlegt, wobei sich der SV Bislich richtigerweise für eine Kork-Einstreuung entschied und nicht für das oftmals noch verwendete Gummi-Granulat. Eine Entscheidung, die nicht nur aus umwelttechnischer Hinsicht, sondern auch aus Komfort-Gründen für die spielenden Mannschaften absolut richtig war und ist. Die leichten Verzögerungen, die hierdurch bei der Fertigstellung in Kauf genommen werden mussten, waren für den Verein kein Problem – das Zitat „ist nicht schlimm, wenn’s schneller geht“ gilt eben nicht immer.
Der Ball konnte also endlich rollen, auch wenn an vielen Stellen weiter gewerkelt wurde, um die Anlage zu dem Schmuckstück zu machen, das es heute ist. Im Februar 2021 folgte die Abnahme der Arbeiten an den Außenanlagen. Dass die Corona-Zeit, die allen noch in unliebsamer Erinnerung sein dürfte, das Vergnügen, eine neue Sportanlage zu besitzen, erst einmal schmälerte, ist im Nachhinein nur noch ein kleiner Wertmutstropfen. So verschob sich auch die offizielle Einweihung der neuen Anlage bis zum September 2022. Allerdings durfte das Kunstrasenfeld unter Einhaltung der seinerzeit geltenden Vorschriften bereits vorher genutzt werden.
Um ein paar nackte Zahlen zum gesamten Unternehmen „neue Sportanlage“ kommt man nicht herum, auch, um sich ein genaues Bild machen zu können, was am Feldwicker Weg entstanden ist. Die geschätzten Baukosten für Umkleidegebäude, Kunstrasenspielfeld, Blitzschutz, Zaun, Schallschutz und sonstiges lagen letztlich bei 1.149.500 Euro. Der Verein steuerte hierzu eine Eigenleistung von 163.000 Euro (Umkleidegebäude), 25.590 Euro (Platzanlage) und 24.000 Euro (Zaunanlage) bei. Die geschätzten Baukosten für Vereinsheim, Garagen und Terrasse lagen bei 423.000 Euro. Entstanden sind so schließlich ein Umkleidegebäude mit etwa 1359m³ umbauten Raum (Nutzfläche 194m²) und ein Vereinsheim mit etwa 945m³ umbauten Raum (141m² Nutzfläche). Noch eindrucksvoller sind die Zahlen der geleisteten Arbeitsstunden. Rückbau Ascheplatz: 152 Stunden, Umkleidegebäude: 5287 Stunden, Vereinsheim: 3483 Stunden, Außenanlagen: 2784 Stunden. Das ergibt eine Summe von 11707 Stunden. Respekt!
Hans-Peter Faerber machen diese Zahlen zurecht stolz: „In vielen Versammlungen und Gesprächen war häufig zu hören, dass uns diese enorme Leistung keiner zugetraut hätte, geschweige denn daran
geglaubt hat, dass sich diese Mammutaufgabe stemmen lässt. Aber mit einer so starken Gemeinschaft, wie wir sie beim SV Bislich haben, lassen sich noch ganz andere Projekte realisieren, da bin ich
mir sehr sicher. Und ganz nebenbei ist der Spaß bei der gemeinsamen Arbeit nie zu kurz gekommen.“
Noch ein paar Feinheiten zum Abschluss: Die vom SV Bislich initiierten Anträge auf eine Zufahrtsbeschilderung, eine Straßenbeleuchtung entlang des Kunstrasenplatzes sowie die Herrichtung der
Parkplätze durch die ASG sind mittlerweile auch umgesetzt. Und um für unser Jubiläum und darüber hinaus gerüstet zu sein, ist auch das jüngste Projekt, der neue Grill-Unterstand, pünktlich
realisiert worden.
Und sollte uns im Allgemeinen und dem Vorstand im Speziellen eine weitere Idee in den Sinn kommen, um die neue Sportanlage noch zu verfeinern, kommt sicherlich niemand mehr auf den Gedanken, dass dies unmöglich sei.
